Mausermuseum und Schloss Glatt
Am 3. Juli 2004 trafen wir uns zur Besichtigung des Mauser-Museums in Oberndorf a. Neckar. Der bewährte Heinicar holte uns auf dem Car-Parkplatz in Zürich ab und fuhr uns unter die Autobahnbrücke in Ohringen. Hier erwarteten uns weitere Reiseteilnehmer und K. begrüsste hier unsere Gäste aus der OWG, die sich ebenfalls für das Mauser-Museum interessierten. Nach einem kurzen Stopp in Schaffhausen war unsere Reisegesellschaft mit 25 Teilnehmern vollständig. Nach dem Zollamt Bargen erreichten wir bald die Autobahn Richtung Stuttgart.

Bei der Raststätte Neckarburg trafen wir unser geschätztes Mitglied H. mit seiner Frau S.. Die beiden lotsten uns durch die schmucken Dörfer des Ausläufers der Schwäbischen Alp. Schon erreichten wir den Württembergischen Schwarzwald mit der durch die Mauser-Werke weltbekannten Stadt Oberndorf.

 Unsere Frauen machten zuerst einen kleinen Stadtbummel und besuchten anschliessend das Heimatmuseum, während unsere Militaria-Sammler das Mauser-Waffenmuseum besichtigten. Beide Museen befinden sich im so genannten Schwedenbau. Der Ursprung der Mauser-Werke geht  auf das Ende der Napoleonischen Kriege zurück.

1811 errichtete König Friederich von Württemberg im säkularisierten Augustinerkloster eine Gewehrfabrik. Die Königliche Württembergische Gewehrfabrik 1811 – 1874 nutzte das Holz und die Wasserkraft des Neckartals. Es entstanden zuerst Gewehrläufe für Steinschlosswaffen, Bajonette, Säbel usw.

Später folgten Perkussionswaffen und die Weiterentwicklung der Dreyse - Zündnadelgewehre. 1874 übernahmen die Brüder Wilhelm und Paul Mauser die Fabrik und gründeten die spätere Waffenfabrik Mauser AG. Laufende Weiterentwicklungen führten schlussendlich zum bekannten Mauser-Verschlusssystem mit Kastenmagazin. Dieses System hat sich für Repetierwaffen weltweit bis in die heutigen Tage erhalten. Ab 1886 begann die Entwicklung von Pistolen. Die berühmte Pistole C 96 in über 50 Varianten war nebst verschiedenen Revolvern und Pistolen die weitest verbreitete Faustfeuerwaffe der Mauser-Werke. Während des ersten Weltkrieges musste voll auf Kriegsproduktion umgestellt werden und die erste spezifische Panzerabwehr- Waffe, das Mauser Tankgewehr im Kaliber 13mm wurde entwickelt. Nach dem Krieg war es den Mauser-Werken verboten Waffen herzustellen. In der Zeit von 1920 – 1929 entwickelte und produziert man Messwerkzeuge, Rechnungs- und Buchungsmaschinen sowie Einspurautos und Personenautos.

 

 Erst ab 1935 begann wieder die Fertigung des Wehrmachts-Karabiners K 98k. Während des 2. Weltkrieges wurden zusammen mit andern Fabriken weitere Waffen entwickelt, verbessert und gefertigt. 1945 sind die gesamten Einrichtungen als Reparationsleistungen abtransportiert und über 50% der Gebäudeanlagen zerstört worden. Die Mauser-Werke existierten nicht mehr. Auch das 1936 gegründete Mauser-Museum wurde beschlagnahmt. In späteren Nachkriegs-Jahren bemühten sich die Stadt Oberndorf und die wieder gegründeten Mauser-Werke, die verschollenen Museumsstücke wieder zu erwerben und 1976 für Besucher zugänglich zu machen. Durch die Beschlagnahme des alten Museums durch die Siegermächte verschwanden viele schöne Exponate. An grösseren Objekten sind die von Mauser entwickelten Flak-Waffen (Flak38, 20mm Vierling) und Bordwaffen für Flugzeuge zu sehen. Aus der Zwischenkriegs-Zeit sind auch die Produkte von 1920 – 1929 ausgestellt. Nicht zu vergessen sind die bekannten Mauser-Jagdwaffen und die modernen Polizei- und Militärwaffen der Firma Heckler und Koch.

Erwähnenswert ist auch der mit Wasserkraft angetriebene Schmiedehammer aus dem 19 Jahrhundert und die Laufziehmaschine. Mit über 300 Exponaten gibt die Sammlung Einblick in Konstruktion und Fertigung von Waffen und Geräten der Mauser-Werke. Herzlichen Dank unserem Museums-Führer Herrn Schmid, der uns kompetent über die Geschichte der Mauser-Werke orientiert hat.
Nicht vergessen möchte ich, auf das vorzügliche Heimatmuseum aufmerksam zu machen. Darin sind hervorragende Exponate aus der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit zu sehen. Es umfasst Besiedlung, Wirtschaft und das Leben der damaligen Menschen in der weiteren Umgebung von Oberndorf. Beide Museen überzeugen durch die vorzügliche Präsentation und Information.

Mit knurrendem Magen brachte uns der Bus zum Hotel Wasserfall oberhalb Oberndorf. Die Gaststätte kann mit der ellenlangen Speisekarte von Vorspeisen, Fisch- und Fleischgerichten, Schwäbischen Spezialitäten und Desserts jeden Gourmet bei der Auswahl in Verlegenheit bringen. Die Portionen sind eigentlich nicht für Busreisende, sondern eher für Holzhauer gedacht und überzeugen durch Qualität.

 Wohl gesättigt ging die Fahrt weiter durch die schönen Wälder des Schwarzwaldes in das Glatt–Tal. In der Ortschaft Glatt liegt der zweite Höhepunkt unserer Reise. Das von 1973-1989 sanierte Wasserschloss Glatt wurde von 1998-2001 zu Museumszwecken eingerichtet und beherbergt die Sammlung von D.H. Bidermann. Hier kamen unsere Blankwaffen-Sammler auf ihre Rechnung. Nebst Blankwaffen, Rüstungen, Harnischen und Helmen zeigt die Sammlung die Entwicklung der ritterlichen Rüstungs- und Wehr-Technik vom 15. bis ins 17. Jahrhundert. Auch sind weitere Exponate aus dem Leben der damaligen Adelsgeschlechter zu sehen.

 

Unsere Frauen bevorzugten die Besichtigung des Bauernmuseums in einem andern historischen Gebäude, einer so genannten Zehntscheuer. Leider reichte die Zeit nicht, alle Ausstellungsräumlichkeiten des Schlosses und der Zehntscheuer zu besichtigen. Nach einer Stärkung im Museumscafe verabschiedete uns K. von unsern Reiseführern H. und S. mit ein paar Flaschen Zürcherklevner. Beim Geniessen des Weines soll die besondere Etikette an diesen herrlichen Tag erinnern. Die beiden haben uns durch ihr Wissen, Rekognoszierung, Probe-Essen und Beziehungen diese interessante und lehrreiche Reise ermöglicht. Offenbar haben die beiden auch einen direkten Draht zu Petrus, der den Himmel manchmal recht bedrohlich aussehen liess, uns aber vor Regen verschonte und am Ende noch die Sonne scheinen liess. Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön aller Teilnehmer an H. und S.!

Soweit der Bericht unseres Reiseberichterstatters E.Z. Die Reise war wirklich herrlich und die besuchten Museen für jeden Interessierten unbedingt eine Reise wert.

Besucht doch auch die Homepage des Waffenmuseums Oberndorf; sie ist nicht nur sehr informativ, sondern durch ihre hervorragende Gestaltung auch eine erstklassige Augenweide: